,Mo‘ El Bouazzati: Einmal Straßenkicker, immer Straßenkicker

In der vierten Folge unserer Porträt-Serie #Heimspiel haben wir unsere Nummer 17, Mohamed El Bouazzati, im Dortmunder Rombergpark zum Interview getroffen. Der 23-jährige Innenverteidiger geht dort gerne spazieren – am liebsten mit seiner Freundin und deren Hund Lotti.

Faust drauf: Mohamed El Bouazzati im Dortmunder Rombergpark Bilder: Sarah Wick

Auf der Straße kann aus einem Rohdiamant ein echter Hit werden. Das gilt für Musiker – Ed Sheeran, James Morrison oder Passenger haben auf der Straße angefangen – wie für Fußballer. Zico, Rivaldo und Neymar lernten das Kicken auf der Straße. In vielen Teilen Südamerikas und Afrikas ist das Fußballspielen auf der Straße sehr verbreitet.

Auch Ahlens Nummer 17, Mohamed El Bouazzati hat das Kicken in seinem Heimatdorf in der Nähe der marokkanischen Stadt Nador gelernt. Mit sechseinhalb Jahren kam der heute 23-Jährige von Marokko nach Deutschland. Seine Familie ließ sich damals im Dortmunder Stadtteil Hörde nieder, wo sie auch heute noch lebt. „In Hörde ist jeder Fußball-verrückt“, sagt El Bouazzati. Zur Mitgliedschaft beim Hörder SC war es daher nur ein kleiner Schritt. „Danach ging es mit den anderen Jungs immer noch auf den Bolzplatz. Wir haben Eistee getrunken und solange gespielt, bis es dunkel wurde“, erinnert sich Ahlens Innenverteidiger. Neben den fußballerischen Fähigkeiten wurden gleichzeitig auch die Deutschkenntnisse spielerisch verbessert. Win Win.

In seiner Familie ist „Momo“ oder auch „Mo“, wie er von allen genannt wird, der einzige mit einer Leidenschaft für den Fußball. Trotzdem haben ihn seine Eltern und seine Geschwister immer auf seinem Weg unterstützt. „Mein älterer Bruder hat mir beispielsweise meine Fußballschuhe finanziert“, sagt El Bouazzati. Diese Investition hat sich bezahlt gemacht. Denn nach drei Jahren beim Hörder SC ging es für den gebürtigen Marokkaner direkt zum BVB. Ab dann war der Weg zum Fußball-Profi vorgezeichnet. „Mit 15 habe ich gemerkt, dass ich eine Mannschaft führen kann. Da war für mich klar, dass ich Fußball-Profi werden will.“

Mit 15 wusste Momo, dass er Fußball-Profi werden will

Mit Borussia Dortmund wurde er zweimal deutscher Meister, 2014 mit der B-Jugend und 2016 mit der A-Jugend. Parallel wurde El Bouazzati erstmal in die U17-Nationalmannschaft Marokkos berufen, später spielte er dort in der U21 und war unter anderem bei der Weltmeisterschaft und beim Africa Cup mit dabei. „Das waren schon schöne Momente.“ Wenig später folgte der ersehnte Profi-Vertrag. Er unterschrieb für zwei Jahre beim BVB. In dieser Zeit bekam er auch die Gelegenheit, unter Jürgen Klopp zu trainieren. Eine Erfahrung, die er nie vergisst: „Kloppo ist schon ein cooler Trainer. Ich erinnere mich noch sehr gut, wie wir einmal Vier gegen Vier mit Marco Reus, Henrikh Mkhitaryan und Co. gespielt haben.“ Borussia Dortmund war für El Bouazzati wie eine zweite Familie. Als er dann für die Saison 2016/2017 an den damaligen Ligakonkurrenten VfL Osnabrück ausgeliehen wurde, hatte er mit Anpassungsschwierigkeiten zu kämpfen. „Das war für mich damals eine große Umstellung, weil ich die Atmosphäre beim BVB vermisst habe.“Von Osnabrück ging es für El Bouazzati in die Ukraine, er heuerte beim Erstligisten Zorya Lugansk an. „Die haben damals die Qualifikation für die Europa League gespielt, das hat mich gereizt“, sagt der 23-Jährige rückblickend.

Weitere Stationen in seiner bisherigen Karriere waren Türkspor Augsbur, Wattenscheid 09, der TuS Bövinghausen und nun eben Rot Weiss Ahlen. „Ahlen ist ein Traditionsverein, das Umfeld gefällt mir und wir verstehen uns gut in der Mannschaft.“ Mit Phillip Aboagye, Rene Lindner, Pascal Schmidt und Mike Pihl fährt er regelmäßig gemeinsam zum Training, die fünf Jungs bilden ab Bergkamen eine Fahrgemeinschaft.

Auch in der Ruhe liegt für Ahlens Innenverteidiger die Kraft

Heute sieht Ahlens „17“ einige seiner Karriere-Entscheidung kritischer. „Ich habe viel rumgepokert. Das würde ich jetzt nicht mehr machen. Irgendwann war ich dann an einem Punkt, wo ich nicht mehr die Fitness hatte, orfdentlich Profifußball zu spielen.“ Seine Leidenschaft für den Fußball hat El Bouazzati in den all den Jahren nie verloren. „Als Fußballer kannst du einen Ball nicht hassen. Das ist unmöglich.“ Vielleicht hat ihm dabei sein „Kriegerwillen“, wie er ihn nennt, geholfen. „Den habe ich aus Marokko mitgebracht.“ Um sich wieder auf einen guten Fitness-Stand zu bringen, arbeitet er im Traning fleißig und geht regelmäßig Joggen. „Ich achte aber gleichzeitig auch auf ausreichend Pausen. Denn manchmal ist Ruhe die beste Medizin.“

Wenn es die Zeit und der Trainingsplan es zulassen, geht Mohamed El Bouazzati in seiner Freizeit immer noch gerne auf den Bolzplatz. „Da spiele ich dann für den Vater meiner Freundin und dessen Kumpel den Ballverteiler“, sagt er und schmunzelt. Einmal ein Straßenkicker, immer ein Straßenkicker.