Kempel krempelt um: Ausbildung vor Titel

Alle Fäden laufen bei ihm zusammen: Arndt Kempel, zukünftiger U19-Trainer, Koordinator und Sportlicher Leiter des Wersenachwuchses. Bild: Henning Wegener

Meisterschaften? Titel? Aufstiege? Alles gut und schön, gerne sogar. Aber kann man sportliche Erfolge nicht auch mal andersherum denken? RW Ahlen will von nun an lange Reisen lieber mit dem ersten kleinen Schritt beginnen.  „In vielleicht vier Jahren wird man eine Entwicklung erkennen können“, schätzt der neue starke Mann des rotweißen Jugendfußballs. Arndt Kempel verlangt ein Umdenken und hat ein Konzept entwickelt, das ab den Minis auf eine gute Ausbildung setzt, die sich bis in die Altjahrgänge der A-Jugend auswirken soll. So was dauert eben.

„So viele Spieler wie möglich halten und in den nächsten Jahrgang bringen. Wenn wir so ausbilden, dann schneiden wir auch von selbst gut ab“, sagt der 46-Jährige, der von nun an nicht nur der Sportliche Leiter ist, sondern auch der Koordinator im Leistungsbereich U 16 bis zur U 19 und zusätzlich noch die Westfalenliga-U19 als Cheftrainer übernehmen wird.

„Da sind wir mit der Kaderplanung auf einem guten Weg“, ist Kempel, der vom ehemaligen U 17-Assistenten Henry Ambrose als Co unterstützt wird, zufrieden mit den Anfängen. Auch bei seiner A-Jugend gilt: Vom Aufstieg in eine vielleicht bald sowieso nicht mehr existente Bundesliga wird nicht gesprochen. Und er wird nicht verlangt.

 „Wir wollen im eigenen Verein den Grundstock an Spielern heranziehen, auffüllen aus den eigenen Ressourcen“, sagt Kempel. Dafür krempelt der ehemalige Regionalliga-Spieler von SG RW Frankfurt in einem Vollzeitjob an der August-Kirchner-Straße einiges um.

 In Zusammenarbeit mit den Koordinatoren Sven Kabutke (Aufbau U12-U15) und Thorsten Rolf (Grundlagen U7-U11) hat Kempel flächendeckend eine Leistungsdatenanalyse entwickelt, die mit individuellem Training, Video und Tracking arbeitet. Jeder Jahrgang hat einen altersgerechten Ausbildungsplan, für dessen Umsetzung die jeweiligen Trainer zuständig sind. „Wer bei RW Ahlen Fußball spielt, kann sich ambitioniert entwickeln“, verspricht Kempel und verbindet hohe Ideale mit der Professionalität eines Nachwuchsleistungszentrums. Und das misst sich nicht an schnellen Titeln, sondern an steter Arbeit. Jedenfalls zu Beginn …

„Wir reden nicht, sondern wir handeln“

  14 Jugendmannschaften von den Minis bis zu den Großen auf dem Sprung zu den Senioren – das ist arbeitsintensiv wie ein Sack Flöhe. Und so hält Peter Ellefred Arndt Kempel den Rücken frei.

Der Vorgänger auf dem Jugendleiter-Posten ist nun Geschäftsführer. „So bin ich seinerzeit auch bei LR Ahlen angefangen“, schließt sich für Ellefred der Kreis. „Wir sind Mannschaftssportler und arbeiten Hand in Hand“, ist der Routinier mit den administrativen Aufgaben gut beschäftigt.

Zumal das ganze Konzept der beiden auch noch Sinn stiften will. Regionale Identität soll es zusätzlich sein. Deshalb die Umbenennung von einer Jugendabteilung in den „Wersenachwuchs“, deshalb auch ein umfassender Verhaltenskodex, der von Respekt, Toleranz und Fairness geprägt sein soll. „Wir sind gerade in Ahlen eine multikulturelle Gesellschaft. Wir reden nicht darüber, sondern handeln danach“, kündigt Kempel an und steht damit für seine neuen Trainer ein.

Seine U 18 in der (noch) Kreisliga übernimmt nun Koordinator-Kollege Sven Kabutke in Personalunion, bei der U 16 steigt neu Matthias Nagel ein, der vormals die B-Junioren des Lüner SV betreut hat. Neben Simeon Uhlenbrock, der den B-Jugend-Landesligisten übernimmt, steigen alle sonstigen Trainer mit ihren Jungs in der Altersklasse auf und wachsen mit.

Dabei hat vor allem Serkan Aldemir eine besondere Aufgabe, nachdem er seine U14 zur U15 mitbringt. Da die Saison nämlich wegen Corona ohne Wertung abgebrochen wurde, verbleibt die derzeit starke U 15 in der Bezirksliga. „Und die würden wir schon gern wieder in die Landesliga kriegen“, gibt Arndt Kempel zu, dass an dieser Stelle momentan eine unangenehme Lücke klafft, die den Trainingskonzepten nicht guttut. So ganz ohne Aufstiege geht es eben dann doch nicht. (Text: Uwe Gehrmann/Die Glocke)