„Herr Neuhaus, übernehmen Sie!“

Verein und Verantwortung: Heute vor zehn jahren übernahm Dirk Neuhaus (vorn) den Vorsitz bei RW Ahlen. Hinten der alte Vorstand mit (v.l.) Jörg Hellwig, Bernd Mehring, Karl Ballhorn und Rainer Kriwat.

„Wenn Sie den Verein am Donnerstag nicht übernehmen, mache ich den Laden zu, verkaufe ich hier jeden Ball und jeden Stutzen“ – die Drohung des Insolvenzverwalters Michael Mönig war klar und unmissverständlich. Und Dirk Neuhaus übernahm den Verein und die Verantwortung. 

   Am Mittwoch vor zehn Jahren – eine Entscheidung, ohne die es RW Ahlen schon seit 2011 gar nicht mehr geben würde. „Glauben Sie mir, es waren nervenaufreibende zehn Jahre, in denen wir uns meist auf ganz dünnem Eis bewegt haben. Ein Drahtseilakt finanzieller Art. Sowohl für den Verein, als auch für mich persönlich“, blickt Dirk Neuhaus auf die Zeit in der Insolvenz zurück. 

Diese hatte Bernd Mehring als Vertreter des Aufsichtsrats am 16. Oktober 2010 beantragt, die Zahlungsunfähigkeit stand bereits an den Kassenhäuschen des Wersestadions. RW Ahlen spielte nach dem Abstieg aus der Zweiten Liga mit Trainer Arie van Lent in der 3. Liga, rettete sich sportlich am letzten Spieltag mit einem Sieg in Erfurt. Trotzdem ging es runter, zwei Klassen tiefer in die damals neugegründete NRW-Liga. 

 „Gut daran war, dass wir aus dieser nicht absteigen konnten“, so Neuhaus rückblickend. Am Mittwoch vor zehn Jahren erinnert sich der damalige Vorsitzende des Ahlener Stadtsportverbandes als sei es erst gestern gewesen. „Wir hatten zur Versammlung in den VIP-Raum des Wersestadions eingeladen, 128 Stimmberechtigte waren anwesend.“ 

Neuhaus fand eine Vorstandsmannschaft mit Wolfgang Holtz, Michael „Mika“ Ross und Klaus Huesmann sowie Sponsor Peter Evers – es ging weiter bei und mit RW Ahlen. Gespräche mit Sponsoren wurden geführt, vor allem aber solche mit Gläubigern und Finanzamt. „Da war jede Menge Überzeugungsarbeit zu leisten,“ so Neuhaus, der von der Arbeit des Insolvenzverwalters allerdings alles andere überzeugt war. 

„Im halben Jahr sind sie aus dem Ganzen raus, spätestens aber zu Weihnachten, hatte uns dieser Herr Mönig erklärt. Nicht aber, an welchem Weihnachten.“ Fünf Jahre gingen ins Land und viel Wasser durch die Werse, ehe es dann tatsächlich so weit war. 

Am 20. Dezember 2016 stimmte die Gläubigerversammlung zu – die Insolvenz war beendet. Kein Verein spielte derart lange unter Insolvenzrecht. Dass RWA in dieser Zeit sogar in die Regionalliga zurückkehrte, gehört zu den vielen Wundern in Rot-Weiß. (Text: Jörg Staubach/Die Glocke)