#heimspiel bei „Zimbo“: Positive Vibes sind ansteckend

Ahlens Trainer Andreas Zimmermann mit den beiden Familienhunden Emma und Bonita Bild: Henning Wegener

Auch in der neuen Saison pflegen wir weiter unsere Rubrik #heimspiel. In der Vorbereitung haben wir unseren Trainer Andreas Zimmermann zuhause in Werl-Sönnern besucht. Mit dabei beim Interview waren seine Frau Andrea und seine Hunde Emma und Bonita.

Andreas, Andrea und Alicia Zimmermann. „Zusammen sind wir das A-Team.“ O-Ton von Ahlens Trainer Andreas Zimmermann über seine Frau und seine Tochter. Über das A-Team heißt es im deutschen Intro der bekannten TV-Serie aus den 80ern: „Sie helfen anderen, die in Not sind. Sie wollen nicht so ganz ernst genommen werden, aber ihre Gegner müssen sie ernst nehmen.“ Die Beschreibung passt spätestens seit dem Klassenerhalt auch auf Zimmermann, sein Trainerteam und seine Spielertruppe. Zusammen bilden sie das Ahlener Team, oder kurz das A-Team. Durch harte Arbeit und positives Denken haben sie #nurgemeinsam die Regionalliga gehalten.

Trainerteam hat 66 Vereinsjahre auf dem Buckel

Seit dem 16. November vergangenen Jahres sitzt „Zimbo“ auf der Ahlener Trainerbank, zunächst als Interimstrainer, seit Beginn des neuen Jahres dann offiziell als Cheftrainer. Der gebürtige Westberliner, eigentlich eingefleischter Herthaner, hat nach all den Jahren RW Ahlen zu seinem Herzensverein erkoren. Zimmermann und seine Frau Andrea feiern im kommenden Jahr Silberhochzeit. Mit Ahlen ist er dieses Jahr bereits seit einem Vierteljahrhundert verbunden. 1996/97 spielte er seine erste Saison als Spieler für LR Ahlen, damals ebenfalls in der Regionalliga, und war vier Jahre später auch Teil der Aufstiegsmannschaft, die den Sprung in Liga zwei schaffte. Die Saison 2000/2001 begann mit einem klassischen Fehlstart, am Ende sprang mit Platz sechs die beste Ahlener Platzierung heraus. „Wir hatten zum Schluss ja sogar fast noch die Möglichkeit, aufzusteigen“, erinnert sich Zimmermann, „aber zum Schluss ging bei uns nichts mehr. Ahlen wäre aber auch nicht befreit gewesen für die 1. Liga.“ Zu Beginn der Saison 2002/03 wechselte der heute 51-Jährige zum jetzigen Liga-Rivalen Rot-Weiß Essen, kam aber 2008 als Trainer der Amateure zurück. Später war Zimmermann für die U19 verantwortlich und war gleichzeitig Nachwuchskoordinator bei Rot Weiss Ahlen. 2009 war Zimbo schon einmal Interimstrainer der „Ersten“ und wurde dann Co-Trainer von Christian Hock. Zimmermann ist nicht das einzige Ahlener Urgestein im Trainerteam. Insgesamt haben Zimmermann, die beiden Co-Trainer Orhan Özkara und Christopher Nilius sowie Torwarttrainer René Grabowski 66 Vereinsjahre auf dem Buckel.

Fussball Regionalliga RW Ahlen Andreas und Andrea Zimmermann

Fußball als Berufung

Dass Fußball seine Berufung ist, wusste Andreas Zimmernann schon früh: Angefangen hat er vor seiner Haustür beim SV Norden-Nordwest 98. Direkt daneben trainierte Herthas Jugend. Dort hat Zimbo jeden Tag aufs Neue gesehen, wo er hin wollte. Bereits als kleiner Junge hatte er immer davon geträumt, einmal im Hertha-Trikot im Berliner Olympiastadion aufzulaufen. In der Saison 1992/93 wurde dieser Traum wahr. Im Heimspiel gegen Fortuna Düsseldorf hatte Zimmermann seinen ersten Einsatz für die Berliner. „Ich habe damals meinen Kumpels auf der Tribüne zugewunken und kriege heute noch Gänsehaut, wenn ich daran denke.“ Vor seiner Zeit bei Hertha war Zimmermann beim damaligen Oberligisten Spandauer BC. Parallel hatte er eine Lehre zum Hochdruckrohrschlosser bei Mannesmann-Seiffert absolviert. „Trotz Arbeit habe ich da richtig Gas gegeben. Wir haben immer abends trainiert. Ich bin morgens um halb fünf mit der Sporttasche aus dem Haus. Erst zur Arbeit, dann zum Training und war um 23 Uhr abends wieder zuhause. Mir brauch also keiner etwas erzählen, von wegen Doppelbelastung durch Arbeit und Fußball“, erklärt Ahlens Cheftrainer. Genau dieses Engagement fordert er heutzutage auch von seinen Spielern. Festbeißen, richtig ackern und motiviert sein, war schon früh Zimmermanns Erfolgsrezept und ist es auch heute als Trainer noch.
Seine Zeit als Spieler war für ihn die schönste Zeit, aber „Trainer sein macht auch Spaß“, sagt der Fußball-Lehrer, allerdings müsse man als Trainer viel mehr Dinge organisieren, über die man sich als Spieler keinen Kopf machen müsse. Hinzu komme der Ergebnisdruck. „Über die Jahre habe ich gelernt, damit umzugehen. Sonst geht man daran kaputt.“ Während seiner letzten Station als Spieler in Kleve hat Zimmermann mit einem Mentaltrainer zusammengearbeitet und dort unter anderem Entspannungstechniken und Meditation gelernt. Mit seiner Frau Andrea macht er zuhause regelmäßig Yoga. Im Zimmermann`schen Garten weisen diverse Buddha-Statuen darauf hin. Für seine Schützlinge hat er zudem ein spezielles Power Yoga mit dem Fokus auf Kräftigung entwickelt. „Es ist wichtig, dass du als Spieler und auch als Trainer mental stark bist“, betont er. In der vergangenen Saison sei es nicht immer leicht gewesen, richtig abzuschalten. „Man weiß ja, was da alles im Verein so dran hängt.“ Umso stolzer ist Zimmermann auf die Leistung seiner Jungs und den 18. Tabellenplatz am Ende der Saison: „Das, was wir geleistet haben, ist unglaublich. Da sieht man wieder, was man durch harte Arbeit und positives Denken erreichen kann. Natürlich hat uns Corona auch mit in die Karten gespielt. Aber wir sind ja 18. geworden und nicht Vorletzter.“

In der vergangenen Saison stand die Aufholjagd an erster Stelle. In dieser Saison will Zimmermann auch an Strukturen arbeiten. Und an den positiven Energien. „Wir müssen in Ahlen noch dahin kommen, dass alle eine positive Grundstimmung haben. Denn das ist ansteckend. Wenn dir etwas nicht gefällt, musst du es ändern, oder woanders hingehen. In Ahlen

Im Garten können die ,Zimmermänner`gut abschalten Bild: Henning Wegener

sind wir auf einem guten Weg“, erklärt Zimmermann. „Stand heute spielen wir auch wieder gegen den Abstieg – das wollen wir natürlich nicht, aber das steht auf einem anderen Blatt. Langfristig wollen wir uns in der Regionalliga etablieren und nicht dauerhaft gegen den Abstieg spielen“, so Zimmermann weiter. Auch wenn RW Ahlen nicht zu den Favoriten gehört. Sicher ist, dass die Gegner die Wersekicker auch in der neuen Saison ernst nehmen müssen. Wie ernst, das haben in der Rückrunde der vergangenen Saison bereits Top-Teams wie Rot-Weiß Essen oder Dortmund II schmerzlich erfahren müssen. Schließlich ist das Ahlener Team das A-Team.