„Geil, wa?“ – RWA-Rettung auf dem Punkt

Rot Weisse Freude pur Bild: Henning Wegener

Nur aufsteigen ist schöner. Nicht absteigen muss knapp an Platz zwei kommen. Der Virus und RW Ahlen lösen gerade rechtzeitig ihre Fesseln, um an einem lauen Frühlingsabend eine rauschende Werseparty zu feiern. 

„Mann, ist det schön“, bestaunte Trainer Andreas Zimmermann die knapp 500 Zuschauer auf der Tribüne wie ein Kind die Kugeln am Weihnachtsbaum. Als die nach 95 Minuten dann auch noch den Platz stürmten, um mit ihren Helden das 3:2 über den SV Straelen zu feiern, wirkte das vielleicht nicht ganz coronagemäß, aber nächstes Jahr wieder Regionalliga zu spielen – das war es wohl wert. 

„Keener hat an uns geglaubt“, japst „Zimbo“ während er zentnerschwere Fans stemmen muss. Den Cut unterm Auge hat ihm beim Jubel Co-Trainer Chris Nilus verpasst, als Marzullo auf 3:1 erhöht hatte. Egal, ist ja nur Blut. „Ich hab’ meinen Job erfüllt!“, schüttelt Zimmermann die Faust. 

Gesänge, Trommeln und rotweiße Fahnen – alles wieder da. So wie die Mannschaft, wenn es wirklich zählt. Während die Schwarzgelben in Dortmund ihren Part mit dem 3:1 über jetzt Absteiger Bergisch-Gladbach erfüllt hatten, ging es in Ahlen aber nicht ohne Qual und Würgerei. 

„Aber das ist Moral“, sagt Kahlert, der gegen die biestigen und giftigen Gäste nach Holldacks erstem Versuch zum 1:0 abgestaubt hatte (37.). „Gut, dass wir gegen Schalke so auf den A…. gekriegt haben“, genießt der Verteidiger den Weckruf von vor drei Wochen. 

 Den brauchten sie am Dienstag auch: Denn wie so oft verträumten die Ahlener anschließend die Zeit, ehe sie Fakhros Kopfball zum 1:1 (60.) wachrüttelte. Lindner brauchte nur vier Minuten, um nach Holldacks Freistoß wieder zu erhöhen. „Wenn’s drauf ankommt, bin ich eben da“, kommentiert Marzullo trotzig seinen Treffer in der Nachspielzeit (95+2.) zum 3:1 aus der Drehung – „ich krieg ja sonst keine Bälle!“ 

Die Rettung? Noch nicht: Zuerst pariert Hester noch einen gefährlichen Distanzschuss von Mehlich und ist dann – unfassbar – gegen de Wit chancenlos; 2:3 nach 95 Minuten. Kaum einer kriegt das noch mit, die Bälle werden mit Gottvertrauen nach vorn gedroschen, die letzten Sekunden verticken, uuuuund Abpfiff …  

Und dann sind auch sie wieder da: die Fans, die den Sekt knallen lassen und mit ihren Jungs in Rot und Weiß zum Corona-Klassenerhalt steppen. Eine Punktlandung. „Wir haben immer bis zum Ende durchgehalten und nie aufgegeben“, windet sich Zimmermann unter Schulterklopfern und fremden Umhalsungen. „Geil, wa?“ (Text: Uwe Gehrmann/Die Glocke)