1901 – 1947

Glückauf ist der Gruß der Bergleute und somit auch ein Gruß, der für Rot Weiss Ahlen viel Bedeutung und Tradition beinhaltet. Als 1901 in Ahlen die Suche nach dem „schwarzen Gold“, der Steinkohle, begann, fanden sich nach Feierabend oft die „Malocher“ von der Zeche zum Fußballspielen auf der Marienwiese ein. Auch nach Fertigstellung der Zeche im März 1913 war Fußball die Hauptbeschäftigung der Kumpel. Als im Jahr 1917 die Belegschaft der Zeche auf 3.658 Arbeiter und Beamte angestiegen war, wurden die ersten Fußballclubs gegründet. Der Bekannteste war der Freie Sportclub Union Ahlen, der es immerhin schaffte, in die zweithöchste Spielklasse des Westdeutschen Sportverbandes aufzusteigen. Als die NSDAP auch in Ahlen immer mehr an Macht gewann, wurde der FSCU, in dem zu rund 75% Ausländer spielten, verboten. 1933 wurde der TuS Germania Ahlen gegründet. Die Turnabteilung wurde Ende der 30er Jahre zum Prunkstück des Vereins. Um keine Schwierigkeiten mit den Nationalsozialisten zu bekommen, fusionierte der TuS Germania mit Wacker Ahlen, einem angesehenen Verein aus dem Stadtteil Vorhelm. So entstand der zunächst mitgliederstärkste Verein in Ahlen. Nach 1945 gab es Bemühungen, die Sportbewegung in Ahlen nach Kriegsende zu reorganisieren. Nach vielen Versuchen, die alten Vereine wieder ins Leben zu rufen entschloss man sich, die Kräfte zu bündeln und gab einem großen Verein den Vorzug.

1948 – 1991

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Acht ehemalige Ahlener Sportvereine schlossen sich 1948 zum TuS Ahlen zusammen. Ernst Bornemann, der 2010 im Alter von nur 69 Jahren verstarb, war der Gründer von TuS Ahlen. Unser Foto zeigt eine Schülermannschaft vom TuS Ahlen aus dem Jahr 1959. TuS Ahlen spielte nach dem Krieg viele Jahre in den höchsten Amateurklassen Westfalens. Das Großereignis dieser Zeit war das Spiel der Schalker Knappen beim TuS Ahlen. Schalke 04 gewann damals in Bestbesetzung mit 7:2 (Foto unten).  TuS Ahlen entwickelte sich im Laufe der Zeit zum sportlichen Aushängeschild von Stadt und Region. Regional konnte der Verein auch immer wieder Erfolge feiern, blieb jedoch ab den 60er Jahren konstant im Amateurfußball.

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1992 – 1999

Nach vielen Höhen und Tiefen schien 1992 mit dem drohenden Abstieg in die Kreisliga das Ende des Traditionsvereins TuS Ahlen gekommen. Dann jedoch begann Helmut Spikker, ein Unternehmer und früherer Spieler des TuS, sich bei seinem alten Verein zu engagieren. In einem beispiellosen Aufstieg schaffte der Verein unter Spikker und Trainer Joachim Krug die Rettung vor dem Untergang. Mit einem neuen Konzept und finanzieller Unterstützung gelang von 1992 bis 1996 und vier Aufstiegen in Serie der Sprung in die Regionalliga West/Südwest. 1996 fusionierte der TuS Ahlen mit Blau-Weiß Ahlen zum Leichtathletik Rasensport Ahlen e.V. (LR Ahlen). Spikkers Unternehmen LR International stellte Arbeits- und Ausbildungsplätze zur Verfügung und gab damit Spielern die Chance auf eine langfristige berufliche Perspektive. So gelang es, eine Reihe von Akteuren aus höheren Spielklassen an den Verein zu binden. Der damalige Aufsichtsrat wählte Helmut Spikker zum 1.Vorsitzenden, Unternehmer Heinz-Jürgen Gosda wurde 2.Vorsitzender. Mit harter Arbeit und großem persönlichen Engagement gelang es beiden in kürzester Zeit, aus der alten Spielstätte Glückaufkampfbahn das moderne Wersestadion entstehen zu lassen. 1997 wurde das Stadion eröffnet (Foto). In den folgenden Jahren wurde die gesamte Infrastruktur rund um das Stadion erneuert. In den folgenden vier Jahren spielte LR Ahlen in der Regionalliga eine gute Rolle. Ein ganz besonderes Highlight dieser Zeit war das DFB-Pokal Spiel gegen den FC Bayern München. Am 30.08.1998 gastierte der Rekordmeister in Ahlen und behielt mit 5:0 die Oberhand.

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2000 – 2005

Mit Trainer Franz-Josef „Jupp“ Tenhagen kam es schließlich in der Saison 1999/2000 zum entscheidenden Relegationsspiel um den Aufstieg in die 2. Bundesliga, nachdem man zuvor Vizemeister in der Regionalliga West/Südwest geworden war. Der Gegner hieß Union Berlin. LR gewann die Partie vor über 10.000 Zuschauern mit 2:1 gegen die „Eisernen“ von Union. Mario Krohm (56. Minute) und Pino Canale (80.) erzielten die entscheidenden Tore für den ersten Zweitligaaufstieg der Vereinshistorie.

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Mit einigen namhaften Trainern (u.a. Peter Neururer, Werner Lorant oder Stefan Kuntz) schaffte es LR Ahlen, sich mit sechs Jahren 2.Liga-Zugehörigkeit fast schon zu einer Institution dieser Klasse zu entwickeln. Zum ersten Heimspiel in der 2. Bundesliga sahen über 8.000 Zuschauer ein spektakuläres Spiel gegen den FC St. Pauli (3:6). Bis zum 9. Spieltag musste die Mannschaft auf einen Sieg warten und galt bereits als sicherer Abstiegskandidat. Doch dann gelang am 23. Oktober 2000, bei einer Liveübertragung im Fernsehen, der erste Sieg. Ausgerechnet auf dem altehrwürdigen Bökelberg bei Borussia Mönchengladbach (Foto).

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Nach diesem Erfolg verließ das Team die Abstiegsränge und sollte auch nicht wieder auf diese zurückkehren. LR blieb im späteren Saisonverlauf elf Spiele lang ungeschlagen und kletterte in der Tabelle bis auf den 4. Tabellenplatz am 30. Spieltag. Am Saisonende jedoch belegte die Mannschaft den 6. Tabellenplatz. In den folgenden Spielzeiten musste sich die Mannschaft leider in der Tabelle immer weiter nach unten orientieren. Der harte Abstiegskampf war zu Gast im Wersestadion und hielt sich von 2002 bis 2006. Drei Jahre in Folge vollbrachte die Mannschaft von LR Ahlen das Kunststück, sich immer am 34. Spieltag durch einen Sieg in der Liga zu halten. Der spektakulärste Saisonabschluss gelang 2004/2005. LR stand auf einem Abstiegsplatz, nachdem man sich am vorletzten Spieltag noch die Chance auf den Klassenverbleib bewahrt hatte, indem man Mitkonkurrent RW Essen im Wersestadion 3:1 besiegte. Am letzten Spieltag war die Mannschaft von Trainer František Straka zu Gast bei 1860 München, die ihrerseits letztmalig im Grünwalder Stadion spielten und noch die Chance hatten, in die 1. Bundesliga aufzusteigen. In einem dramatischen Spiel siegte LR mit 4:3, nachdem 1860 München zuvor in der kompletten Rückrunde der Spielzeit ungeschlagen blieb (Foto). In der Saison 2004/2005 sorgte unser Verein landesweit auch für Schlagzeilen, als mit Vladimir Jugović ein einmaliger Transfer vollzogen wurde. Jugović konnte zweimal den Europapokal der Landesmeister bzw. die Champions League gewinnen und war WM sowie EM-Teilnehmer für Jugoslawien und einst Teamkollege von Zinédine Zidane bei Juventus Turin. Sportlich lief es in der Spielzeit 2005/2006 jedoch alles andere als rund. Vom Saisonstart an hing LR Ahlen im Tabellenkeller fest, der sportliche Abstieg war nicht mehr zu verhindern.

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2006 – 2009

Am Saisonende 2006 stand der 17. Tabellenplatz zu Buche. Nach sechs Jahren Zweitligazugehörigkeit stand der erste Abstieg fest. Der Hauptsponsor LR International zog sich nach dem Abstieg zurück und auch Helmut Spikker legte sein jahrelanges Engagement im Verein nieder. Nach dem Rückzug von LR stimmte die Mitgliederversammlung im Mai 2006 einer Umbenennung in Rot Weiss Ahlen zu. Europameister Bernhard Dietz wurde neuer Trainer in Ahlen. Im ersten Ligaspiel unter dem neuen Namen Rot Weiss Ahlen gelang dem Verein im Sommer 2006 direkt ein 3:0-Auswärtssieg bei Fortuna Düsseldorf. Erster Torschütze für Rot Weiss in einem Pflichtspiel war Marco Kaminski. Mit vielen jungen Nachwuchskräften gelang in der Premierensaison (2006/2007) des neuen Vereins der Klassenerhalt in der Regionalliga Nord. In der Saison 2007/2008 wurde das Sommermärchen von Ahlen geschrieben. Unter Trainer Christian Wück befand sich die Mannschaft zur Winterpause auf dem 11. Tabellenplatz. In der Wintervorbereitung reiste das Team nach Österreich und nahm dort in Heiligenblut den „Geist von Heiligenblut“ auf, der für eine unglaubliche Serie in der Rückrunde sorgte. 15 Spiele lang blieb Rot Weiss Ahlen in der Regionalliga Nord ungeschlagen und kletterte Platz für Platz in der Tabelle nach oben. Der Wiederaufstieg war zu keinem Zeitpunkt das Saisonziel, doch die Mannschaft zeigte einen berauschenden Fußball. Auf den Außenbahnen wirbelten mit Kevin Großkreutz und Marco Reus zwei spätere Nationalspieler und im Sturm befand sich mit Lars Toborg ein Stürmer im Herbst seiner Karriere, der 23 Saisontore erzielte.

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Am 30. Spieltag übernahm man die Tabellenführung und gab diese bis zum Ende nicht wieder aus der Hand. Am 17.05.2008, zwei Spieltage vor Saisonende, stand durch einen 1:0-Auswärtssieg beim VfL Wolfsburg II der Aufstieg fest. Erneut feierte ganz Ahlen den Aufstieg in die 2. Bundesliga. Diesmal gelang dieser Aufstieg jedoch ohne große finanzielle Mittel vollkommen überraschend, so dass die Feierlichkeiten umso schöner waren.

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Als Rot Weiss Ahlen kehrte der Verein zurück in die 2. Bundesliga und sorgte wiederum für positive Überraschungen. Im ersten Saisondrittel verzauberte die Mannschaft die Fans und stand in der Tabelle knapp hinter den Aufstiegsplätzen. Schlussendlich stand nach 34 Spieltagen der 10. Platz zu Buche. Zur Saison 2009/2010 wurde der Kader auf vielen Positionen neu besetzt. Ein Projekt, dass nie griff, denn von Beginn an belegte die Mannschaft einen Abstiegsrang. 25 Spieltage lang bildete Rot Weiss das Schlusslicht der Liga, so dass leider der verdiente Abstieg folgte.

2010 – 2014

Der Neuanfang in der 3. Liga wurde nach kurzer Zeit von der Eröffnung eines vorläufigen Insolvenzverfahrens überschattet. Aufgrund drohender Zahlungsunfähigkeit wurde am 14. Oktober 2010 beim Amtsgericht in Münster ein vorläufiges Insolvenzverfahren eröffnet. Sportlich wie wirtschaftlich kämpfte der Club monatelang um das Überleben. Sportlich zeigte die Mannschaft von Trainer Arie van Lent Moral, trotz vieler Rückschläge konzentrierten sich Mannschaft und Fans auf den Klassenerhalt in der 3. Liga, der tatsächlich gelang. Mit zwei Punkten Vorsprung landete das Team am Saisonende 2011 auf einem Nichtabstiegsrang. Nur wenige Tage später wurde das Insolvenzverfahren über unseren Verein eröffnet. „Es sind keine Geldgeber da, mit denen die dritte Liga finanzierbar gewesen wäre“, sagte Insolvenzverwalter Michael Mönig. Innerhalb kürzester Zeit wurde aus unserem Zweitligisten ein Club, der in der 5. Liga, der NRW-Liga, den Neuanfang wagte und dabei den geringsten Etat der Liga vorweisen musste. Auch sportlich ging dieses Unternehmen schief. Mit einer Negativserie von 16 sieglosen Partien in der Hinrunde belegte die Mannschaft am Ende den vorletzten Tabellenrang. Da es in der NRW-Liga keine Absteiger gab, startete der Club 2012/2013 in der wieder eingeführten Oberliga Westfalen, der fünfthöchsten Spielklasse. Auch dort muss Rot Weiss Ahlen seither mit einem sehr geringen Etat auskommen, da das Insolvenzverfahren noch immer nicht abgeschlossen werden konnte. Sportlich konnte die Mannschaft 2013 und 2014 jeweils einen Mittelfeldplatz in der Oberliga belegen. Aber wie schon die Malocher vor vielen Jahrzehnten geben auch wir nicht auf und werden weiter kämpfen. Glückauf!

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Erfolge:

Meister der Oberliga 1996 | Vizemeister der Regionalliga West 2000 |

Meister der Regionalliga Nord 2008 | 2. Bundesliga 2000-2006 und 2008-2010 |

Achtelfinale im DFB-Pokal 2003 und 2005 | Westfalenpokalsieger 1998 |

Vize-Westfalenpokalsieger 2007 und 2011 | Kreispokalsieger 2013 und 2015 |

Vizemeister der Oberliga 2015