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Der vierte Wechsel – Fluch oder Segen?

Ab der neuen Saison sind in allen Pflichtspielen in Nordrhein-Westfalen vier Auswechslungen erlaubt. Die Regelung gilt ab der Regionalliga abwärts und somit auch in der Oberliga. Diese bemerkenswerte Änderung beschloss der Beirat des Westdeutschen Fußballverbandes (WDFV) am 9. April. In der Spielordnung heißt es ab sofort in § 45: “Bei allen Pflichtspielen dürfen während der gesamten Spieldauer vier Spieler ausgewechselt werden“. Eine Änderung, die auf den ersten Blick sinnvoll klingt. Die Trainer haben mehr Möglichkeiten auf das Spielgeschehen Einfluss zu nehmen. Einen vierten Wechsel in der Hinterhand zu haben ist somit erst einmal ein entscheidender Vorteil bei taktischen Überlegungen oder um Verletzungen zu kompensieren. Auch für die Ersatzspieler selbst steigen somit die Einsatzchancen. Es fällt leichter, auch einen Akteur mit wenig Einsatzzeit oder einen jungen U19-Spieler für einige Minuten in die Partie zu bringen. Also eine perfekte Regeländerung? Nicht ganz, denn wer von uns kennt es nicht? Die Nachspielzeit bricht an und das Spiel befindet sich in der alles entscheidenden Phase. Gerade bei einem Unentschieden oder einem Spielstand mit einem Tor Unterschied ist die Nachspielzeit der Moment, in dem ein Fußballspiel eine überraschende Wende oder einen unvergesslichen Verlauf nehmen kann. Es reißt jeden Zuschauer mit, sobald ein Team auf den entscheidenden Last-Minute-Treffer drängt und mit einem Tor in letzter Sekunde Heldengeschichten geschrieben werden.

Doch schon heute erleben wir es immer wieder live im Stadion oder zuhause am Fernseher. Ein wahrer Stimmungskiller ist es, wenn Vereine die Nachspielzeit dazu nutzen, um fleißig zu wechseln. Immer wieder fällt die Spannungskurve ab, sobald einer der Akteure in der 92. Minute im Zeitlupentempo über den gesamten Platz schleicht und ein anderer Spieler schon bereitsteht, um sich seine 50 Sekunden Einsatzzeit abzuholen und die Uhr herunterlaufen zu lassen. Es gibt kaum etwas nervigeres, wenn die spannenden letzten Minuten durch einen oder gar mehrere Wechsel unterbrochen werden. Was passiert nun, wenn sogar vier Auswechslungen erlaubt sind? Liegt eine Mannschaft mit 1:0 vorne, kann ein Trainer theoretisch innerhalb der letzten Spielminuten für vier Spielpausen sorgen. Der gesamte Spielrhythmus inklusive Spannungskurve werden immer wieder unterbrochen. Was der Videobeweis im Profifußball ist, könnte in manchen Fällen der vierte Wechsel in den unteren Ligen werden. Die Zuschauer müssen warten… und warten… und warten.

Natürlich bedienen sich nicht alle Trainer an diesem simplen Zeitspiel, doch schon in der Oberliga erlebt man es leider immer wieder und eines ist klar: Ein Spiel, dessen Ausgang bis zum Ende offen ist, wird demnächst noch häufiger in der Schlussphase unterbrochen, um vom vierten Wechsel Gebrauch zu machen. Schön wird das nicht. Doch gibt es auch Lösungen, die trotzdem vier Auswechslungen erlauben? Denkbar wäre folgende Idee: Auswechslungen müssen vor Anbruch der Nachspielzeit vollzogen werden. Bis zur 90. Minute darf gerne munter durchgetauscht werden, doch sobald die Nachspielzeit läuft, ist die Chance auf Unterbrechungen dahin. Es ist ein reiner Gedankenanstoß, der natürlich auch Nachteile und Diskussionen mit sich brächte, doch zumindest im Sinne des Zuschauers wäre. Denn die letzten Atemzüge einer Partie sollten von Dramatik, Spannung und vor allem Fußball leben und nicht von ständigen Pausen und Wechselspielchen.


Ein Kommentar von Marco Stiemke (Leiter Medien & Kommunikation)

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