Björn Mehnert & Salvatore Gambino im Interview

Seit Beginn der Vorbereitung gibt es bei Rot Weiss Ahlen zwei neue Gesichter an der Seitenlinie. Cheftrainer Björn Mehnert und sein Assistent Salvatore Gambino haben das Kommando an der Werse übernommen und wollen RWA zum Klassenerhalt in der Regionalliga führen. Wir sprachen mit unserem Trainerteam über die Mission bei RWA, über die Eigenschaften, die sie von den Spielern erwarten und über Erfolge in der Bundesliga.

Björn, zunächst die Frage, wie sich die ersten Tage als Cheftrainer bei RWA für dich angefühlt haben.

Björn Mehnert: „Es waren sehr ereignisreiche Tage und nach der langen Pause war auch direkt sehr viel Enthusiasmus und Elan zu spüren. Alle hatten einfach eine große Vorfreude, endlich wieder zurück auf den grünen Rasen zu kommen.“

Salvatore, Hand aufs Herz: In deiner Rolle als Co-Trainer, wie oft kommt noch der Spieler in dir durch, der in jedem Trainingsspiel den Ball haben will?

Salvatore Gambino: „Schon sehr oft, da ich gerade erst als Spieler aufgehört habe. Es ist denke ich ganz normal, dass es noch sehr häufig im Fuß juckt, wenn man den Ball sieht. Gleichzeitig freue ich mich aber auch auf meine neue Rolle hier als Co-Trainer und will diese bestmöglich und professionell ausführen.“

Björn, du warst früher als Spieler hier im Verein und auch in der Vergangenheit regelmäßig als Trainer bei Auswärtsspielen zu Gast. Worauf hast du dich besonders gefreut, als du jetzt in der Funktion als Ahlener Cheftrainer zurückgekehrt bist?

Björn Mehnert: „Verfolgt hat man den Verein natürlich immer ganz genau. Eine lange Eingewöhnungszeit brauchte ich daher nicht. Auf das, worauf ich mich am meisten gefreut habe, werde ich aber noch etwas warten müssen. Es war bei Spielen in Ahlen immer etwas Besonderes, wenn so viele Zuschauer ins Wersestadion gekommen sind. Deshalb freue ich mich auf den Tag, an dem mit größtmöglicher Sicherheit wieder sehr viele Fans das Team unterstützen können, denn gerade unsere Fans sind auch in der neuen Saison ein ganz wichtiger Faktor für uns.“

Was genau zählt alles zu deinen Aufgaben als Co-Trainer bei Rot Weiss Ahlen?

Salvatore Gambino: „Zunächst einmal ist es für Björn wichtig, dass er sich zu jeder Frage und Entscheidung eine zweite Meinung von mir einholen kann. Wir stehen permanent im Austausch und überlegen gemeinsam, welches die richtigen Schritte sind. Zudem bin ich natürlich bei der Trainings- und Spielvorbereitung beteiligt und kann jederzeit als rechte Hand des Trainers eingreifen, ihn und auch die Spieler unterstützen. Gleichzeitig möchte ich selbst noch viel von Björns Arbeit als Trainer lernen, denn die Statistiken sprechen für sich, dass er in der Vergangenheit überaus erfolgreich gearbeitet hat. Diese Eindrücke erhalte ich jetzt auch aus einer neuen Perspektive.“

“Leidenschaft und Emotionalität sind für mich aber wichtige Begriffe“

Verglichen mit den ersten Trainingstagen, die du in deiner Laufbahn Sommer für Sommer geleitet hast: Hat man gemerkt, dass du ein Team übernommen hast, das monatelang nicht auf dem Platz stand?

Björn Mehnert: „Die Spieler haben zwar individuell gearbeitet aber die Arbeit als Team und in Gruppen hat natürlich lange gefehlt. Das hat man schon gemerkt und darum haben wir unseren Trainingsstart auch bewusst auf einen so frühen Zeitpunkt gelegt. Tatsächlich habe ich auch den Eindruck, dass das den Jungs extrem geholfen hat, denn die ersten zwei Wochen ging es wirklich nur darum wieder in den Rhythmus zu kommen und das Gefühl für das normale Training zurück zu gewinnen.“

Du hast einige erfolgreiche Jahre als Spieler bei Westfalia Rhynern hinter dir und solltest dort auch in der neuen Saison das Amt des Co-Trainers übernehmen. Warum hast du dich stattdessen für die Aufgabe hier bei RWA entschieden?

Salvatore Gambino: „Eine Zeit lang habe ich in Italien gespielt, ehe mich Björn Mehnert damals schon zu Westfalia Rhynern geholt hat. Der Kontakt ist in all der Zeit nie abgebrochen und als mir dann mitgeteilt wurde, dass ich ihm als Co-Trainer nach Ahlen folgen könnte, da musste ich nicht sehr lange überlegen. Ich hatte eine erfolgreiche Zeit in Rhynern, doch nach fünf Jahren wollte ich etwas Neues probieren. Es bin davon überzeugt hier die richtige Entscheidung getroffen zu haben und freue mich sehr bei RWA zu sein.“

Jeder Trainer hat seine eigenen Vorstellungen, wie erfolgreicher Fußball aussehen kann. Welche Art Fußball möchtest du in der Regionalliga von deinen Jungs sehen?

Björn Mehnert: „Ich mache das nicht an einem bestimmten System fest, sondern ich will mit meinen Mannschaften flexibel agieren können. Leidenschaft und Emotionalität sind für mich aber wichtige Begriffe und ebenso will ich ein Team haben, das in guten und schlechten Zeiten als Einheit zusammensteht und niemals aufgibt. Ich denke in diesem Punkt haben wir in Ahlen schon die besten Voraussetzungen mit unserer Mannschaft. Ansonsten ist unsere Devise: Forsch agieren und dabei die Grundbasis nie vernachlässigen.“

Salvatore, du warst jahrelang Fußballprofi, unter anderem für Borussia Dortmund und den 1. FC Köln und kannst uns daher am besten verraten: Wie ist das Gefühl Bundesligaspieler zu sein und im ausverkauften Dortmunder Stadion aufzulaufen?

Salvatore Gambino: „Das kann nur derjenige nachempfinden, der selbst einmal in solchen Stadien aufgelaufen ist. Wenn die Südtribüne deinen Namen ruft, bei der Aufstellung oder bei einem Tor, dann hast du am ganzen Körper Gänsehaut. Ich habe die Zeit in vollen Zügen genossen und schaue mir auch heutzutage noch gerne Zusammenfassungen der Spiele an, bei denen ich mitgewirkt habe. Ich bin dankbar, dass ich diese Zeit als Profi und dann gerade auch beim BVB erleben durfte.“

“Diese Saison wird für den Verein und für die Mannschaft eine Herausforderung, wie es sie in der Vergangenheit selten gab“

In den vergangenen acht Jahren hast du die Teams unter deiner Leitung immer auf einen einstelligen Tabellenrang geführt. Die einzige Ausnahme war 2019 der Abstieg mit Wiedenbrück aus der Regionalliga. Welche Erfahrungen und Erkenntnisse sind für einen Trainer wertvoller? Die aus dem Aufstiegs- oder Abstiegskampf?

Björn Mehnert: „Als Trainer lernt man täglich dazu. Jeden Tag erhält man neue Eindrücke, die man für sich sehr gut einsetzen kann. Auch eine negative Saison gibt einem viele wichtige Dinge mit, von denen ich zukünftig profitieren werde. In erfolgreichen Phasen läuft vieles wie automatisch und von allen Seiten gibt es Lob und Schulterklopfer, doch wirklich schätzen kann man diese Sachen erst, wenn man Rückschläge erleidet und damit umgehen muss. Gerade dann, wenn man mal auf der Leiter nach unten steigt, ergeben sich wichtige Erfahrungen, die einem als Trainer aber auch als Mannschaft ungemein helfen können.“

Christoph Daum, Bert van Marwijk, Matthias Sammer… du hast unter vielen bekannten Trainern gespielt, doch welcher deiner Trainer hat dich besonders geprägt und warum?

Salvatore Gambino: „Ich habe von all meinen Trainern Erfahrungen mitgenommen und es gab fast immer auch Dinge, die einen für das spätere Leben geprägt haben. Besonders viel gelernt habe ich von Roberto Boscaglia, der in Italien mein Trainer war und dort noch immer in der 2. Liga trainiert. Er war vor allem taktisch überragend. Eine ganz besondere Persönlichkeit war auch Matthias Sammer. Er hat sich für jeden seiner Spieler sehr viel Zeit genommen und sich vor Spieltagen, wenn wir im Teamhotel waren, mit mir zusammengesetzt, viel mit mir gesprochen, Selbstvertrauen geschenkt und mir Detail für Detail erklärt was meine Aufgaben im Spiel sein werden.“

Gibt es denn einen Moment in deiner Karriere, der für die schönsten Erinnerungen bei dir sorgt?

Salvatore Gambino: „In meinem zweiten Bundesligaspiel habe ich einen Doppelpack gegen Leverkusen erzielt. Das war ein besonderes Highlight für mich. Aber auch Momente, wie mein Aufstieg von der dritten in die zweite italienische Liga, voller Euphorie und mit verrückten Fans, das sind auch coole Erinnerungen, die ich sammeln durfte als Sportler. Und ganz besonders hoffe ich, dass wir in knapp einem Jahr hier in Ahlen etwas feiern dürfen. Das ist ein Ziel in noch weiter Ferne, was wir alle unbedingt erreichen wollen.“

Björn, kannst du uns noch einen kurzen Ausblick auf die Saison geben? 40 Spiele, ein enger Terminkalender und bis zu sechs Vereine könnten absteigen. Was erwartest du von dieser Spielzeit?

Björn Mehnert: „Diese Saison wird für den Verein und für die Mannschaft eine Herausforderung, wie es sie in der Vergangenheit selten gab. Neben den Ligaspielen warten noch Spiele im Pokal, so dass wir vermutlich so viele Pflichtspiele wie nie zuvor bestreiten werden. Dafür müssen die Spieler extrem fit sein, denn noch kann sich niemand wirklich vorstellen wie groß die Belastung im Laufe der Saison tatsächlich sein wird. Es gibt viele englische Wochen, unter Umständen mit weiten Auswärtsfahrten unter der Woche und nur wenigen Tagen zur Regeneration. Das werden spannende und für viele Jungs auch ungewohnte Erfahrungen, mit denen wir aber professionell umgehen müssen. Wir trainieren abends nach der Arbeit oder Uni, anders als manche Konkurrenten, die unter Profibedingungen arbeiten. Aber wir haben alle Lust darauf und sind maximal motiviert eine erfolgreiche Saison zu spielen. Die Spieler können sich auf einer großen Bühne präsentieren und darauf brennt jeder Einzelne im Kader.“